Grundschule Kasendorf

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Die kleine Raupe

 

Es war einmal eine wunderschöne Raupe, die kroch im Garten bald hierhin, bald dahin, bald hierhin, bald dahin, und sagte:

„Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Und dann kroch sie weiter in das andere Ende des Gartens, kroch hierhin, kroch dahin, kroch hierhin, kroch dahin und sagte: „Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Und sie kam in die Nähe vom großen, runden, dicken Kohlkopf, und der hörte, wie sie gerade wieder sagte: „Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Und da sagte er sehr von oben herab – wie es eben die Art vom Kohlkopf ist: „Na, was denn!“

 

Aber die kleine Raupe kroch weiter, kroch hierhin, kroch dahin, kroch hierhin, kroch dahin, und sagte, dass es alle hören konnten: „Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Da kam sie in die Nähe vom Stachelbeerstrauch. Der Stachelbeerstrauch, der hatte das auch gehört, und der sagte denselben Satz wie der Kohlkopf – aber er sagte ihn spitz, wie es die Art vom Stachelbeerstrauch ist: „Na, was denn!“

 

Aber die Raupe war schon weiter gekrochen, kroch hierhin, kroch dahin und sagte, dass es alle hören konnten: „Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Da kam sie in die Nähe vom Radieschen. Und das Radieschen sagte denselben Satz wie der Kohlkopf und der Stachelbeerstrauch auch, aber es sagte den Satz lieb und sanft, wie es die Art vom Radieschen ist: „Na, was denn!“

 

Da kroch die kleine Raupe weiter und sagte zum letzten Mal ganz leise: “Was aus mir noch einmal werden wird.“

 

Dann kroch die kleine Raupe in die Nähe vom Gartenzaun und legte sich ganz still in die Sonne. Nach einer Weile fing sie an, sich ein Bettchen zu machen und sich in das Bettchen einzuwickeln, einzuspinnen, einzuwickeln, einzuspinnen, einzuwickeln, einzuspinnen, bis sie nicht mehr zu sehen war.

 

Als das der große, runde, dicke Kohlkopf sah, sagte er – sehr von oben herab, wie es seine Art ist: „Nun ist es aus mit ihr!“

 

 

Und der Stachelbeerstrauch sah auch, wie sie da lag, stocksteif, still und unbeweglich, wie tot. Und da sagte auch der Stachelbeerstrauch denselben Satz wie der Kohlkopf - aber er sagte ihn spitz, wie es die Art vom Stachelbeerstrauch

war: „Nun ist es aus mit ihr!“

 

Und auch das Radieschen sah die Raupe dort liegen, eingewickelt, still und unbeweglich, wie tot. Da sagte auch das Radieschen denselben Satz wie die beiden anderen – aber es sagte ihn mild und sanft, wie es die Art vom Radieschen war: „Nun ist es aus mit ihr!“

 

Aber es war gar nicht aus mit der Raupe!

Nach ein paar Tagen, da ruckte es und zuckte es, da ruckte es und zuckte es, und heraus kam ein wunderschöner Schmetterling! Und er flog hin und her, hin und her und sagte:

 „Kennt ihr mich nicht mehr?“

 

Da musste der große, runde, dicke Kohlkopf nach oben schauen, und er fragte sehr erstaunt: „Wer bist denn du?“

 

Und der wunderschöne Schmetterling flog hin und her, hin und her und sagte: „Kennt ihr mich nicht mehr?“

 

Da musste auch der Stachelbeerstrauch nach oben schauen, und er sagte den selben Satz wie der Kohlkopf – aber er sagte ihn spitz, wie es die Art vom Stachelbeerstrauch war: „Wer bist denn du?“

 

Und der wunderschöne Schmetterling flog hin und her, hin und her und sagte: „Kennt ihr mich nicht mehr?“

 

Und das Radieschen sagte denselben Satz wie der Kohlkopf und der Stachelbeerstrauch – aber lieb und sanft und mild, wie es die Art vom Radieschen ist: „Wer bist denn du?“

 

Da kam der Schmetterling und setzte sich auf das Radieschen und machte die Flügel auf und zu, auf und zu und sagte ganz leise:

„Ich war einmal eine kleine Raupe, und jetzt bin ich verwandelt und ein schöner Schmetterling!“

 

Aber er hat es nicht leise genug gesagt, denn der große, runde, dicke Kohlkopf sagte sehr von oben herab: „Warum hast du das denn nicht vorher gesagt!“

 

Und der Stachelbeerstrauch sagte spitz den selben Satz: „Warum hast du das denn nicht vorher gesagt!“

 

Nur das Radieschen, das Radieschen sagte nichts, weil es ja schon alles wusste.

 

Aber der wunderschöne Schmetterling flog hin und her, hin und her, und auf die dummen Fragen sagte er:

„Pffft!“

 

Und im Wegfliegen sagte er: „Pffft, dann hätte ich ja gar kein Geheimnis gehabt!“

 

Und wir alle sind ganz gespannt darauf, was einmal aus euch werden wird: ob ihr gut lesen oder gut schreiben könnt, ob ihr kleine Künstler seid oder große Sportler, ob ihr Rechenspezialisten seid oder große Dichter. Es ist sicher, dass in jeder und jedem von euch ein Geheimnis steckt. Lasst euch bloß nicht von den dicken, fetten Kohlköpfen, die von oben herab sehen, oder von den spitzen Stachelbeersträuchern, die an allem herumnörgeln, verunsichern. Hört stattdessen auf die freundlichen und sanften Radieschenmenschen, die es gut mit euch meinen. Die werden als erste entdecken, was in euch steckt!

 

Gott sieht uns Menschen freundlich an und sagt zu uns: Was auch immer aus dir wird und wohin auch immer du gehst, ich, dein Gott, gehe mit dir und gebe auf dich acht!

Quelle:

Rheinischer Verband für Kindergottesdienst
und
Arbeitsstelle für Kindergottesdienst

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